Sprichworte

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Das Sprichwort wes Brot ich ess, des Lied ich sing, sagt man, wenn jemand seine Entscheidungen und Handlungen nach den Interessen desjenigen ausrichtet, von dem er finanziell, wirtschaftlich oder in einer anderen Art abhängig ist.

Erklärung, Bedeutung und Herkunft

Wer mich also bezahlt, dessen Meinung vertrete ich auch. Das Sprichwort hat seinen Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter. Die Minnesänger hatten zu der Zeit selten eine feste Anstellung und ware regelmäßig auf Wanderschaft. Sie zogen also von Hof zu Hof. Dort unterhielten sie dann die Hofgesellschaft mit ihren Liedern, Gedichten und Geschichten. Sie priesen also in ihren Gesängen den jeweiligen Herrscher und erzählten Geschichten von seinen Heldentaten und seinen guten Werken.

Man kann sich gut vorstellen, dass es recht selten kritische Texte über den jeweiligen Herrscher gab, schließlich bezahlte der einen und bot Kost und Logis. Das Sprichwort ist in ganz Europa verbreitet und lautet im Englischen beispielsweise „who pays the piper, calls the tune“ oder im Niederländischen „Wiens Brot men eet, diens woord men spreekt“.

Varianten

  • Wes Brot ich ess, des Lied ich singe
  • Wes Brot ich schlinge, des Lied ich singe
  • Wes Brot ich ess, des Lob ich sing
  • Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe
  • Wer zahlt, bestimmt die Musik

Verwendung in anderen Sprachen

  • Englisch: who pays the piper, calls the tune
  • Französisch: celui louer devons de qui le pain mangeons
  • Spanisch: aquél loar debemos cuyo pan comemos
  • Niederländisch: Wiens Brot men eet, diens woord men spreekt

Beispiele und Zitate

  • Drittstimme – die Wahlkampf-Kolumne – „Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’“ – Bald sind Erst- und Zweitstimme gefragt. Hier soll es um kuriose und ernste Beobachtungen und Begleiterscheinungen im Bundestagswahlkampf gehen – als Drittstimme sozusagen. Heute geht es um den angeblichen Zusammenhang von Ess- und Wahlverhalten.

    -Stuttgarter Zeitung vom 20.09.2017
  • Politik – „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ – Vertreter aller Parteien attackieren Altkanzler Schröder, der seinen Freund Putin immer noch für einen lupenreinen Demokraten hält. Nein, sagte Gerhard Schröder, seinem Freund Wladimir Putin habe er noch nicht zum Wahlsieg gratuliert. Er werde das aber nachholen. Denn er halte Stabilität in Russland für wichtig und habe sich deshalb gewünscht, dass Putin im ersten Wahlgang zum Präsidenten gekürt werde.
    -Welt vom 08.03.2012

Quellennachweis

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