Zitate

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, wird oft auch verwendet als, am deutschen Wesen mag die Welt genesen.

Dieses vielfach politisch verwendete Schlagwort geht auf Emanuel Geibels Gedicht „Deutschlands Beruf“ von 1861 zurück. Dort heißt es wörtlich in der 7. Strophe:

Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.

Emanuel Geibel

Wenn man sich den Zeitpunkt und die damaligen Verhältnisse in Europa anschaut, an dem das Gedicht geschrieben wurde, wird auch klar, dass die Textzeile überhaupt nicht arrogant gemeint war. Eigentlich eher das Gegenteil. Sie wurde und wird aber meist völlig aus dem Kontext gerissen und als alleinstehende Textzeile verwendet.

Geibel setzt sich in seinem Gedicht für die Einheit Deutschlands ein und ruft die deutschen Einzelstaaten zur Einigung unter einem deutschen Kaiser auf. Der Kandidat war der seit 1861 als König von Preußen regierenden Wilhelm I. Dieser wurde 1871 nach dem Krieg gegen Frankreich als deutscher Kaiser aufgerufen. Unter dem deutschen Wesen, an dem die Welt genesen mag, ist das geeinte deutsche Staatswesen zu verstehen, von dem eine Friedenswirkung auf das europäische Staatengefüge ausgehen werde.

Der Satz ist aber über die Jahrzehnte so oft in anderem Kontext (zur Rechtfertigung des weltweiten Führungsanspruchs von Deutschland) verwendet worden, dass er heute mehr oder weniger „verbrannt“ ist und überwiegend in einem negativen Kontext verwendet wird.

Quellen

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